
Warum ich hier bin?
Was ist der Grund für diese Frage?
Ich bin hier, um zu dienen, zu beraten, ein Auge zu sein, für Diejenigen, die nicht hier sein können.
Ich bin nur ein Schatten, geboren aus Schatten, gelebt zwischen Schatten, und zwischen den Schatten warte ich, bis ans Ziel der Welt.
Ich war nicht immer so wie Heute. Lange Zeit lebte ich mit den wilden Tieren. Heulte mit den Wölfen, schwamm mit den Aalen, webte mit den Spinnen. Für das Leben eines Menschen. Tiere sind ehrlicher als Menschen und ihre Parasiten.
Tiere haben mich noch nicht enttäuscht.
Doch was ist ein Schatten in der Finsternis?
Braucht er nicht das Licht, um sich selbst zu erkennen? Der Schwarze Mann ist aus seinem Loch gekrochen, hat die Haut eines zivilisierten Wesens angezogen und ist in die Welt der Menschen und Parasiten zurückgekehrt.
Nach Trondheim, wo der Sabbat und seine Hunde vor den Toren heulten. Sie haben mir Spaß gemacht, in all ihrer fröhlichen Erbärmlichkeit.
Besonders die Lasombra, mit ihrer Besessenheit für Schach. Ein Spiel, um ihre Idiotie als Perfektion darzustellen, ihre lächerlichen Pläne und Intrigen als wohlfeile Handlungen erhabener Individuen.
Wie das Rudel Augen machte, als es seinen Lasombra-Ductus gepfählt fand, wie hunderte von Spinnen ihn einwoben und ihm die Vitae aussogen, bis sie schier bersten wollten! Auch nachher konnte er nur noch schnattern und kreischen. Wo sind seine Perfektion und Erhabenheit nun? Haben seine Schatten ihn vor Ihresgleichen schützen können?
Natürlich hätte ich ihn töten können. Aber warum? So war er mehr wert! Das Rudel hatte etwas, das es fürchten konnte. Wie der Assamit antitribu in der Glaskiste, die mit Lakritz überzogen war. Wie er die Mäuse gefürchtet haben mag, die sich an dieser Süßigkeit labten, und so der Sonne immer mehr Wege ins Innere ermöglichten.
Oh, und der Toreador antitribu, der nun als Kupferplastik in der Privatsammlung des Toreador-Primogens steht.
Aus irgendeinem Grund nennt der Sabbat mich nun „Herr der seltsamen Tode“. Ich muss mich demnächst nach dem Grund erkundigen…
Aber ich schweife ab. Wo war ich? Ach ja: Schach!
Was für ein dummes, dummes Spiel! Dame kann so viel aufregender sein! Und es umgibt sich nicht mit diesem Nimbus der Pseudo-Intellektualität. Aber es regt den Geist an.
Und noch wichtiger: jeder Stein ist gleichviel wert, bis er zur Dame wird! Denkt mal darüber nach!
Häufig ärgern mich die Leute irgendwie. Sie stellen nicht die richtigen Fragen! Sie erwarten immer ein bisschen zu wenig! Oder stellen Forderungen, deren Absurdität kaum zu überbieten ist. Wenn sie schon in ihrer reinen Existenz so mittelmäßig sind, warum dann nicht auch in ihren Zielen?
Aber es macht manchmal auch Spaß mit den Leuten zu reden. Sich ihre Wünsche und Ängste anzuhören, ihre Hoffnungen und unterdrückten Leidenschaften. Ich höre zu. Ich tröste. Ich verspreche Lösungen für ihre Probleme.
Sie verlassen mich meist viel glücklicher, als sie gekommen sind.
Kann man sich mehr wünschen in dieser dunklen Welt?
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